Hong Kong Diaries: Fruit-Unboxing!

Ich war letztens in Shenzhen (darüber werd ich wohl noch berichten) und nach dem Abendessen hat mir meine chinesische Begleitung diese Früchte angedreht. Weil ich das noch nie zuvor gesehen hab und der ein oder andere wissen wollte, was zur Hölle ich da bei Facebook gepostet hab, hier ein kleines Unboxing, Hands-on und Tasting.

Hong Kong Diaries: “Möchten Sie Reis in Ihrem Bier?”


So, gestern hab ich ja angekündigt, bis Mitte/Ende Dezember noch meine Erfahrungen in Hongkong hier zu teilen, und fang heute gleich mal mit dem läääängst überfälligen, ersten detaillierten Beitrag zum Bier hier an.

Die ersten drei Kandidaten haben Heimspiel, auch wenn sie nicht direkt aus Hongkong kommen, sondern vom Festland, und dann auch nicht gerade um die Ecke. Und trotzdem: Bei einer Bierkultur, die – und ich bin mir bei der Angabe überhaupt nicht sicher, sondern schätze – höchstens 10 überregionale Brauereien auf ganz China hervorgebracht hat, kann man da schon davon reden.


Den Anfang macht das international erhältliche “Tsingtao Beer”. Ich persönlich finde das (vordere) Etikett sehr schön, die Rückseite hingegen ist ziemlich schlampig gelayoutet. Aber Smaragdgrün, Rot und Gold sind schon eine schicke Kombination. Ich hätte schwören können, es wär ein Lager, aber Wikipedia behauptet, es sei ein Pils. Die leichte Herbe spricht durchaus dafür, aber der Gesamteindruck… nicht so. Wie dem auch sei. Der Geschmack ist ganz passabel, anfangs “ganz normales” Pils, nur der Nachgeschmack überrascht – und stört, meiner Meinung nach. Schuld gebe ich dem Reis, der mit großer Sicherheit zugesetzt ist. Obwohl von Deutschen gegründet, wird bei Tsingtao seit der Privatisierung nicht mehr nach deutschem Reinheitsgebot gebraut.

Warum mit Sicherheit? Nun, wie man sehen kann, sind keine Zutaten auf dem Etikett, was ich eigentlich doch gerne gehabt hätte. Auf den Dosen sind die drauf, glaube ich.

Vom Trinkgefühl her geht Tsingtao runter wie Öl. Und hinterlässt auch ein solches Gefühl auf der Zunge, was nicht wirklich schlimm ist, mir persönlich aber nicht zusagt.

Wie man dem Bild entnehmen kann, hat “Tsingtao Beer” 5,0% Vol-% Alkohol, auf eine 640ml-Flasche verteilt. Das Flaschenvolumen hat den entscheidenden Nachteil, dass mehr als nur der Spuckschluck schal wird, wenn man die Flasche normal trinkt, und nicht gerade säuft.


Das zweite getestete Bier ist ebenfalls eins der Marke Tsingtao, die Sorte hier ist allerdings “Draft Beer”. Wie das normale “Tsingtao Beer” ist es ein Pils, der Unterschied besteht darin, dass es nur 4,7 Vol-% Alkohol hat und laut Wikipedia nicht pasteurisiert ist.

Optisch stellt man Unterschiede beim Etikett fest, wenn man nicht gerade blind ist: Statt Grün-Rot-Gold gibt’s Weiß-Blau-Rot(-Silber). Sieht meiner Meinung nach nicht so schick aus, dafür hats aber Alufolie am Hals.

Der Geschmack ist auch ähnlich. Selber ungewohnter Nachgeschmack, selbe Trinktauglichkeit, selber öliger Abgang. Nur ist das “Draft Beer” einen Tick milder.

Das Dritte im Bunde ist “Kingway Classic”. Das Etikett ist ganz nett, rot-silbern mit schwarzer Schrift. Wie bei den anderen beiden ist die Rückseite furchtbar, dafür gibts hier ein paar Informationen mehr; auch wenn man damit nicht viel anfangen kann. “Product Standard No.” ist komplett kryptisch, während “Quality Grade: Premium” auf ein Pils schließen lässt. Eine Liste der Zutaten sucht man hier auch vergeblich, aber Reis wird wohl auch drin sein. Das ist hier so üblich, weil billiger.

Ich bin, ohne zu übertreiben, begeistert von diesem Bier, mindestens im Vergleich zu den anderen beiden. Es ist feinherb, hat eine leichte malzige Süße, und ist schön erfrischend. Im Gegensatz zu “Tsingtao Beer” und “Tsingtao Draft Beer” hat es weder den seltsamen Nachgeschmack, noch hinterlässt es das seltsame Gefühl auf der Zunge. Dieses Bier kann man richtig gut trinken.

So viel zum ersten Teil. Als Nächstes werde ich mich wohl an Sachen wie “Skol” rantrauen, wo “Imported Beer” draufsteht, aber die tatsächliche Herkunft weitestgehend unbekannt ist. Höchstes “Brewed in the EU”, aber wir wissen ja, wie aussagekräftig das ist.

Meine Damen und Herren, wir danken für Ihre Aufmerksamkeit…!

Liebe Leser – wir haben beschlossen, diesen Blog (vorübergehend) auf Eis zu legen. Ich werde mich erst mal weiter auf die Musik konzentrieren (besucht mal www.facebook.com/panamapicture) und Mustaf wird als Ausgleich auf tumblr oder twitter umsteigen. Einen entsprechenden Link wird der Junge sicherlich bald nachreichen.

Wir danken euch allen ganz herzlich für die Unterstützung. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Ihr von uns gehört habt…

Eure OMGunmen

Mustafs Senf dazu:

Allen voran bedanke ich mich auch nochmal persönlich fürs Lesen unseres Zeugs hier, nicht zuletzt meiner Einträge zu Hongkong. Da ich hier noch ein Weilchen bin, werde ich sie natürlich weiterführen. Aber Ende Dezember dürfte dann wirklich Schluss sein.

Der Ausstieg für mich persönlich begründet sich darin, dass ich durch Microblogging (Facebook, Twitter) unfassbar faul geworden bin und es nicht fertig bringe regelmäßig was größeres zu schreiben. An dieser Stelle meinen vollen Respekt an die, die das dennoch schaffen (Kotzendes Einhorn, Nerdcore, Mind’s Delight – oder kurzum, die gesamte Blogroll in der Sidebar). URL kopieren und zwei Sätze schreiben, ohne sich um Formatierung und Grafiken kümmern zu müssen ist einfach bequemer und vor allem schneller.

Was meinen weiteren Werdegang angeht… ich bin weiterhin @omgunman auf Twitter, in den nächsten Tagen werde ich mir wohl Soup anschauen und mit der neuen +1-Integration im Google Reader werde ich vermutlich auch dort aktiver sein.

See you around!

Hong Kong Diaries: Unser flüssiges Brot gib uns heute

Lange überfällig, der obligatorische Beitrag zum Bier in Hongkong. Und da es hier grad halb vier ist und ich das unbedingt noch vor dem Schlafengehen erledigen will, geht’s ohne viel Getue los.

Import-Bier

Hongkong ist eine internationale Stadt. Natürlich gibt es hier Bier aus aller Welt. Nicht unbedingt Afrika, aber West- und Mitteleuropa, USA, Australien. Beim importierten Bier schwanken die Preise dann auch mal durchaus zwischen 11HK$ für zwei 0,5l-Dosen Oettinger (ja, das gibt’s hier), und teureren Sorten, wie z.B. Löwenbräu, Erdinger, Guinness, die zwischen 12 und 16$ pro Dose kosten. Weiterhin gibt es importortierte europäische Biere, von denen vermutlich kein Europäer jemals gehört hat. Mit fallen jetzt keine konkreten Namen ein, aber oft steht einfach “brewed in the E.U.” dran. Manche klingen deutsch, manche skandinavisch, holländisch… es gibt das ein oder andere aus dem südost-asiatischen Raum, Indonesien, Malaysia, natürlich auch die bekannteren japanischen Biere, wie z.B. Asahi.

Lokales Bier

Lokale Biere sind hier die billigsten, wobei ich mit “lokal” nicht Hongkong meine, sondern Gesamt-China. Natürlich gibt es Tsingtao und alles andere in Deutschland beim Asiaten des Vertrauens erhältliche, aber eben auch eine Reihe weiterer Sorten vom Festland. Die meisten davon schmecken sehr angenehm, sehr mild, das ein oder andere hat einen merkwürdigen Nachgeschmack. Man muss natürlich dazu sagen, dass absolut jedes asiatische Bier mit Reiszusatz gebraut wird, was ich persönlich sehr grenzwertig finde (die bayrische Sozialisation, halt), aber zum Oettinger habe ich bisher noch nicht greifen müssen.

Volumen

Ein hoch auf deutsche Standards. Supermarkt-Bier in zwei verschiedenen Größen: 0,33l und 0,5l (ausgenommen des ein oder anderen “exotischen” Biers, wie z.B. Zlatopramen in der 1,5l-PET-Flasche). Gibt’s hier nicht. Erhältlich ist ungefähr alles zwischen 300ml und 640ml, seien es Dosen oder Flaschen: 300ml, 330, 500, 5-irgendwas (Pint), 600, 640

Sorten

Abgesehen von ein paar Stouts (darunter natürlich Guinness) und dem ein oder anderen Weizen (Löwenbräu, Erdinger hell/dunkel, Oettinger Weizen), gibt es hier überwiegend Lager. Richtig herbes Bier à la Jever gibt es hier nicht, aber ich bin noch lang nicht durch mit Probieren.

Bars und Kneipen

Sobald man Bier in einer Kneipe will, kann es ganz schön teuer werden. Britisch-teuer. 50$ aufwärts und das nichtmal für “gutes” Bier, sondern für solches, das im Supermarkt für 5-6$ zu haben ist. Allerdings ist dann der Preisunterschied zu den sonst doppelt so teuren Bieren (z.B. Guinness) verhältnismäßig geringer, weshalb man dann durchaus zu Guinness greifen kann, statt z.B. Skol, oder sogar den chinesischen Bieren. Soweit ich das gesehen habe, hatte bisher jeder Pub Bier vom Fass, darunter sogar Erdinger.

So viel fürs Erste. Wünsche und Vorschläge für einen potentiellen detaillierteren Artikel in den Kommentaren oder auf Facebook, gerne auch Twitter. Wenns um Bier geht, lass ich viel mit mir machen.

Und der Artikel steckt in “Kunst, Musik und Kultur”, weil ich Bier für kulturell wertvoll halte!

Hong Kong Diaries: Steve Jobs is dead. Long live Steve Jobs!

Nun ist Steve Jobs also tot. Die Welt hat den wohl wichtigsten Menschen der consumer electronics verloren. Die größte Frage ist jetzt natürlich, wie es für Apple weiter geht. Eine Weile wird das Ganze noch gut gehn, mit Sicherheit haben sie eine detaillierte Roadmap für die nächsten paar Monate und etwas vageres für die nächsten paar Jahre. Wie es aber tatsächlich laufen wird, bleibt abzuwarten.

Nun bin ich ja derzeit in Hongkong, und wie ich neulich erwähnte, hat vor Kurzem der erste offizielle Apple Store eröffnet. Der Tempel aller Apple-Jünger, quasi, und logischerweise erste Anlaufstelle für Ereignisse wie das heutige. Ich war ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht, denn außer dem, was auf dem oberen Bild zu sehen ist, war nichts los. Dabei ist Hongkong eine der absurdesten Wegwerfgesellschaften überhaupt, und eine Firma, die ein Mal im halben Jahr ein im Vergleich zum Vorgänger marginal besseres Produkt auf den Markt bringt, fühlt sich hier wie ein Fisch im Wasser.

Von Trauer war nichts zu spüren. Ich hatte wirklich erwartet, am Boden zerstörte Menschen zu sehen, die ihren (Halb-) Gott beweinen, aber nada. Die Minen waren unverändert konsumfreundlich, auch die der Geniuses. Dabei habe ich mir im Kopf schon Worte bereitgelegt, wie ich das ganze in einem Blogeintrag verarbeiten würde.

Was das Ganze relativieren könnte ist, dass die Nachricht von Jobs Tod hier in Hongkong am Morgen bzw. Vormittag ankam, die Meisten waren also auf Arbeit oder in der Schule. Jetzt, gegen sieben uhr abends, dürfte eigentlich mehr los sein. Vielleicht weinen ja jetzt Menschen.

Möge Steve Jobs in Frieden ruhen und jeder, der an seiner Relevanz für den heutigen Elektronikmarkt zweifelt, ein bisschen in der Materie stöbern.

Hong Kong Diaries: Der Apfel fällt nicht weit vom Apple-Store

Morgen ist ein großer Tag für Hongkonger Apple-Fanbois. Um 9 Uhr eröffnet der Apple Flagship Store in Hongkong. Auf zwei Stockwerken mit jeweils geschätzt 100m², zu Füßen des zweithöchsten Gebäudes in Hongkong, dem Two International Finance Centre (2 IFC; damn you, British spelling!), wird ab morgen Apple-Ware verhökert, repariert, empfohlen. Obwohl ich nicht so der Apple-Sympathisant bin, werde ich im Verlauf des morgigen Tages mal reinschauen; eine Flagship Store-Eröffnung sieht man ja nicht alle Tage. Außerdem bekommt man die Möglichkeit, einen Anblick wie den oben zu bekommen.

Man kann Dinge gut finden. Man kann Dinge so gut finden, dass man die Collector’s Edition zwei Monate im Voraus vorbestellt, obwohl man das Produkt nur von (bewegten) Bildern kennt. Sich mehrere Stunden (die Fotos habe ich gegen 9 abends gemacht, also 12 Stunden vor Einlass) mit Campingstuhl vor die Tür eines Ladens setzen, finde ich aber höchstgradig affig. Die Wartenden sind typischerweise recht jung. Über 25 war nichts dabei, würde ich schätzen. Geschlechtsverteilung ca. 9:1, Männer:Frauen.

Das Witzigste war, und ich hab leider verpasst, den Moment auf Kamera festzuhalten, als eine Mutter ihrem Spross eine McDonald’s-Tüte gebracht hat und er sich aufrichtig bei ihr bedankt hat. Ob sie das um 3 Uhr nachts nochmal machen würde? Ob ich das machen würde? Schnell zu McD’s und für 200HK$ (~19€) 10 Big Mac-Menüs holen (ja, ein Big Mac-Menü kostet hier zur Zeit (Aktion) weniger als 2€; sonst knapp unter 3) und dann vor Augen aller auspacken und essen? Mmmh.

Zuletzt möchte ich noch kurz klarstellen, dass ich diese Leute mit einem Augenzwinkern betrachte, nicht weil sie besonders auf Apple stehen, sondern weil sie das krampfhaft tun. Ich kann eine derartige Versessenheit nicht sonderlich leiden. Morgen jedenfalls Apple Store, mal reinschauen, ein par Fotos machen, das hier updaten. Aber erst gegen Abend. Mal gucken, wie da der Ansturm sein wird.

Beim Verfassen dieses Beitrags wurde viel Bier getrunken. Daher könnte die darin vertretende Meinung übermäßig aggressiv erscheinen.

Hong Kong Diaries: The Small Things in Life

Diesen Beitrag widme ich den kleinen Dingen in meinem Hongkong-Alltag, die nicht auf Anhieb auffallen. Das wird vielen ironisch erscheinen, weil ich mit ein Meter fünfundsechzig selbst nicht der Größte bin. Los geht’s.

Regentropfen aus dem Nichts
Wenn es seit Tagen nicht geregnet hat und man bekommt auf der Straße einen Tropfen ab, heißt das – jedenfalls im Sommer – nicht, dass ein plötzlicher Sturm hereinbricht, sondern dass man wahrscheinlich nah am Straßenrand läuft, wo die weit verbreiten Arkaden bzw. überstehenden oberen Stockwerke der Gebäude aufhören und das Abwasser der Klimaanlagen auf die Straße tropfen kann.

Ich hatte vor ein paar Tagen das Glück in der winzigen Wohnung eines wildfremden Menschen gewesen zu sein, mit Fenstern in einen gleichermaßen kleinen Innenhof mit drei anderen Hauswänden, jeweils 10-20 Stockwerke hoch. An jedem Fenster eine Klimaanlage, mal vier, mal Anzahl der Stockwerke, und es klingt zum Verwechseln nach Regen.
Vögel sind in der Stadt eher selten anzutreffen, außer man hängt grad in einer Parkanlage rum. Vor solchen Tropfen braucht man meistens keine Angst zu haben.

Stufen
Die Stufen hier sind kleiner als in Deutschland, außer in älteren Gebäuden, wie dem Main Building der HKU. Das fällt nach einigen Momenten “Fuck, die nächste Stufe habe ich intuitiv früher/später (je nach Richtung, halt) erwartet und fliege jetzt deshalb sicherlich auf die Fresse” auf. Sicherlich eine Frage der Gewohnheit, aber bis dahin schaue ich beim Treppensteigen stets auf die Stufen.

Heißer Tag, kühle Dose
Spätestens seit Einführung des Dosenpfands (das Wort kennt WP7-Autocorrect nicht!) kommt man in Deutschland nicht wirklich in den Genuss sich an einem heißen Tag eine kalte Dose Coke (oder Bier, Hauptsache mit Kohlensäure) ins Gesicht zu halten. Pro tip: Für ein akustisches Schmanker’l ans Ohr halten.

(Fußgänger-) Ampeln
Zu denen gibt es drei Dinge zu sagen: In Hongkong wird, wie im ehemaligen Mutterland, links gefahren. Das grüne Ampelmännchen läuft in die andere Richtung.
Die andere Sache ist das akustische Signal. Im Gegensatz zu Deutschland, wo das von Stadt zu Stadt, meistens sogar von Kreuzung zu Kreuzung, unterschiedlich ist, hat hier jede Fußgängerampel ein akustisches Signal. Winzige Auffälligkeit: Anders als bei uns, setzt es nicht gleichzeitig mit dem optischen Signal ein, sondern einen Tick später.
Und zu guter Letzt die Bedienung. Die meisten Ampeln funktionieren automatisch. Die, die es nicht tun, haben diesen, auch bei uns üblichen, berührungsempfindlichen gelben Klotz. (Wobei der im Bild natürlich einer ist, der automatisch anspringt…)

Wer will, kann sich noch ein paar neue Fotos anschauen:

Hongkong 2011: The Outskirts of HKU

Hongkong 2011: I’m On a Boat (Star Ferry Ride)

Hongkong 2011: Lazy Sunday Afternoon (oder war’s Samstag?)

Argument 5.45 – Thousand of Birds

Wir hatten ja, als wir hier vor ca. 1½ Jahren angefangen haben zu bloggen, geplant jeden Tag einen CD-Tipp zu geben, jede Woche einen Act of the Week. Die Munition haben wir schnell verschossen und beschlossen die beiden Rubriken zu kombinieren und jede Woche einen Musik-Tipp mit mehr oder weniger ausführlicher Künstler-Info zu veröffentlichen. Jetzt sieht es so aus, als würden wir nicht mal mehr das schaffen. Insgesamt läuft der Laden hier nicht so, wie er sollte. Entweder sind wir zu beschäftigt, oder schlichtweg blog-faul geworden. Vermutlich beides, jeder von uns zu verschiedenen Anteilen. Das Handtuch komplett werfen kommt aber nicht in Frage, so lahm es hier auch vor sich gehen mag.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle eine kleine Änderung in die ganze Musik-Tipp-Sache einführen. Wir schaffen es offensichtlich nicht, regelmäßig neues Material, das uns interessiert, zu Tage zu bringen. Deshalb werden wir das jetzt unregelmäßig machen, wann es uns passt. Angefangen mit dem Tipp heute, …

…Argument 5.45, einer russischen Hardcore-Band. Das Debut-Album von 2008, “Thousands of Birds”, hat seinerzeit große Wellen in der russischen Musik-Szene geschlagen. Die Moskauer spielen einen harten, schnellen, aber doch ziemlich groovigen Mix aus ‘normalem’ Hardcore und der etwas komplexeren Variation von (früheren) Converge-Alben. Daher ist es vermutlich kein Zufall, dass das Album vom Converge-Gitarristen Kurt Ballou in seinen Godcity Studios abgemischt wurde.

Auf die Band bin ich auf – für mich – unüblichem Wege gekommen, und zwar über eine Suppe, ich glaube, die von fasel oder mendel. Einer der beiden hat ein LP-Design der Platte gepostet, das mich doch ziemlich beeindruckt hat. Über weitere Recherchen bin ich dann aufs Behance-Portfolio des Russen Ivan Khmelevsky gekommen und dort fand ich letztendlich Band- und Album-Namen.

Wem der Song oben (der Opener des Albums) gefällt, dem lege ich nahe, das ganze Album kostenlos auf last.fm anzuhören. Anfang August haben sie übrigens ein zweites Album herausgebracht, Atavism, was sich riff-mäßig noch mehr Converge annähert. Auch das kann man sich auf last.fm anhören. Wo und wie man beide kaufen kann, konnte ich leider nicht herausfinden.

Hong Kong Diaries: Sleepless in Hong Kong

—–Tag 1: HONGKONG—–

Der Titel ist zunächst irreführend, denn angekommen bin ich ja am helligten Tag. Allerdings habe ich in den letzten drei Nächten nur jeweils 3 Stunden geschlafen und war dementsprechend müde. Aber, keine Zeit zum Ausruhen, ich muss mich ja schließlich noch an der HKU anmelden und was essen. Der Kamera-Akku hat schon beim Start in Mumbai schlapp gemacht, also musste mein HTC 7 Pro her halten – mit dessen Kamera ich übrigens weitestgehend zufrieden bin. Wegbeschreibung des Hostels rausgekramt und erstmal orientiert. Aber das ist in Hongkong das Einfachste auf der Welt: In jedem Gebäude, in dem man sich orientieren müsste, steht neben dem Lageplan eine Person, die einem dabei hilft – und das ohne danach gefragt zu haben. So stand mir eine nette ältere Frau zur Seite, mit fließendem Englisch und schönem chinesischen Akzent. Die hat mir dann erklärt, welchen Bus ich wohin nehmen, an welcher Haltestelle ich aussteigen muss. Und, dass ich mir eine Octopus Card dafür besorgen sollte, gleich am Schalter dort. Gesagt, getan.

Ich hab mich gefreut wie ein kleines Mädchen, das gerade ein Pony zum Geburtstag bekommen hat (jedenfalls innerlich, nach Außen versuche ich meistens meine stoische Ruhe zu bewahren), als ich auf den Ausgang zu lief. Diese Freude wurde mit dem ersten Schritt nach Draußen unverhofft erdrückt. Ich hatte ja erwartet, dass es hier extrem schwül sein würde, aber da habe ich das hiesige Klima unter- oder meine Vorstellungskraft in diesem Bezug überschätzt. Aus dem klimatisierten Flughafen rennt man in eine feucht-warme Wand rein, die Haut wird sofort nass, ich glaube aber nicht vom Schweiß, sondern von der Luftfeuchtigkeit. Schon mal auf offenem Meer Schiff gefahren? Ähnlich. Schnell gefasst, weiter zum Bus.

Das schier Unglaubliche sah ich an der Bushaltestelle: Die Cityflyer-Busse sind “Wi-Fi enabled” (das oben ist die Anleitung im Bus, aber Schilder hängen schon an den Haltestellen). Online gegangen, Ortszeit war es ca. 11, in Deutschland 5 Uhr morgens und erstmal damit angegeben. Man hat auf der Fahrt ja sonst nix zu tun, außer halt Fotografieren, aber Dank der spiegelnden Scheiben sind die meisten Bilder nicht so toll geworden.

Zum Hostel gefahren, eingecheckt, für Anweisungen, wie ich zur Uni komme, online gegangen, das klimatisierte Zimmer genossen, das erste Mal seit 3 Tagen geduscht. Dann wieder raus in die subtropische Mittagshitze und zum Bus. Wenn alles nur so einfach wäre. Die Bushaltestelle befand sich nur eine Straße weiter, auch Luftlinie waren es keine 200m. Dorthin zu kommen und dann noch die richtige Bushaltestelle finden war eine ganz andere Geschichte. So habe ich mich das erste Mal verirrt, glücklicherweise nur innerhalb eines Häuserblocks. Nach einer halben Stunde im Kreis laufen hab ich sie dann auch endlich gefunden. Das Problem an den Bushaltestellen hier ist nämlich, dass sie gar nicht mal so gut ausgezeichnet sind, und am schlimmsten ist es mit den Namen, die sind ungefähr in Font 12 geschrieben. Als Tourist muss man also entweder gute Augen haben, oder eine Karte anständig lesen können.

Nun gibt es hier im Großen und Ganzen drei Arten von Bussen: Zweistöckige, große einstöckige, und kleine einstöckige mit (ausgeschildert) 16 Sitzen. Die beiden großen haben Anzeigen für Haltestellen drin, die kleinen nicht. Letzteres ist ein Spaß, zu dem ich später oder morgen kommen werde.

Nun kam ich also am Westeingang der “University of Hong Kong” an und hatte erstmal absolut keine Ahnung, wo es lang geht – wie das halt so ist. Also auf gut Glück in paar anderen Leuten gefolgt und dann nach ungefähr 15 Minuten tatsächlich auf dem Campus rausgekommen. Das Problem war nämlich folgendes: Die halbe Uni ist eine Baustelle; entweder wird etwas gebaut, oder es wird was abgerissen. Wäre nicht dieser Umstand, fünf Minuten wären vermutlich genug.

Die nächste Herausforderung war es das Büro der Faculty of Arts zu finden. “Room G14 Main Building” schön und gut, aber dass der Zugang nicht im Gebäude, sondern außerhalb ist, sollte einem vielleicht doch gesagt werden. Reingegangen, Unterlagen geholt, ein bisschen auf dem Campus rumgesessen und On-Campus Starbuck’s Coffee getrunken.

Richtung Abend wollte ich dann zu meinem Hostel zurück fahren, stieß aber auf eine Serie weiterer Probleme. Wie im vorletzten Post erwähnt, bedient die Linie 970€ auf dem Rückweg den Westeingang nicht, also musste ich improvisieren. Schnell die Busfahrpläne überflogen, für einen Bus entschieden, eingestiegen – und der Automat erkennt meine Octopus Card nicht. Da stand ich nun irgendwo an der Pokfulam Road ohne Kleingeld (wenn man Einzeltickets kaufen will, muss man es passend haben) und mit nicht funktionierender Karte. Kurz online gegangen, das Uni-WLAN reichte bis zur Haltestelle, ein paar Infos zur Karte geholt und beschlossen zur nächstbesten U-Bahn-Station zu gehen. Von der ich natürlich absolut keine Ahnung hatte, wo sie ist. Was ich mir dachte, war: Vermutlich liegt sie an der Küste und da ich hier im Westen der Insel bin, vermutlich östlich von hier. Also der Nase nach bergab in meine persönliche kleine Odyssee begeben, durch verwinkelte Straßen, enge Gassen. Klar, ich hätte auch ein Taxi nehmen können, aber ich dachte mir: “Wennde aus dem Schlamassel hier nich rauskommst, kannste auch gleich heimfahrn.” Tatsächlich erreichte ich nach – ich weiß gar nicht, nach wie langer Zeit –, eine U-Bahn-Station und konnte meine Karte checken. Guthaben war noch drauf, also war das nicht das Problem. Beim Versuch durch die Schranken zu passieren, ließen diese mich nicht durch. Ich solle zur Info gehen und das berichten. Der Mann am Schalter nahm meine Karte, checkte sie kurz und gab sie mir nickend zurück. Sie funktionierte tatsächlich. Also fuhr ich endlich zurück ins Hostel, wo ich das erste Mal seit drei Nächten in einem echten Bett schlafen konnte und das gleich mal 13 Stunden gemacht hab.

Zu guter Letzt noch der Link zum Picasa-Album für diesen Post:

Hongkong 2011: Destination reached. Hongkong, Tag 1

Hong Kong Diaries: Reiserückblick

So, heute wird’s ausführlicher. Und zwar würde ich an dieser Stelle gerne meinen höchst abenteuerlichen Flug rekapitulieren. Schließlich war ich zu geizig für einen Direktflug und entschied mich daher für die ca. 200€ günstigere Option Frankfurt (27.8., 20.00) – London (21.00), London (28.8., 21.00) – Mumbai (29.8., 10.00), Mumbai (23.00) – Hongkong (30.8., 9.00). Die Uhrzeiten sind Näherungswerte.

Frankfurt Flughafen war nicht sonderlich spannend. Mit den Eltern noch ‘ne Kleinigkeit gegessen, ein letztes Bier auf deutschem Boden getrunken. Dann verabschiedet, eingecheckt und mal schnell nach London geflogen. So weit, so gut.

—–TAG -2: LONDON—–

“Lustig” wirds erst ab hier, jedenfalls würden das die Meisten so empfinden. Ich war der Situation mit meiner Einstellung “Fuck it, wird schon schief gehn!” klar überlegen. Um ca. 21.00 Ortszeit angekommen, schnell noch was zu Beißen geholt, irgendwo hin gegangen, wo es nicht ganz wie Hechtsuppe gezogen hat, und erstmal auf einem Stuhl niedergelassen. Mein Plan war nämlich Folgender: Ich habe 24 Stunden in London, die ersten paar nachts. Da kann ich einfach irgendwo im Flughafen pennen, auf ‘ner Bank, oder so. Brauch ich nicht für ein Hotel zahlen. Was ich dann auch gemacht habe, allerdings lief das nicht ganz so, wie ich gehofft hatte. Meine Fähigkeit, immer und überall schlafen zu können, so fand ich heraus, habe ich anscheinend verloren. Versucht zu schlafen habe ich ungefähr zwischen 0.00 und 6.00, tatsächlich geschlafen aber nur 2 Stunden zwischen 3 und 5.

Also habe ich irgendwann aufgegeben zu schlafen, bin zu den Arrivals runter gegangen – da, wo es gezogen hat, wie Hechtsuppe -, habe ein paar Pfund abgehoben, mein Handgepäck in Verwahrung gegeben, einen Kaffee geholt und irgendwann gegen 8 in die Stadt reinegfahren. Wenn ich schon ‘nen Tag in London totschlagen muss – und, peinlich, peinlich!, war es das erste Mal in London, für mich, einen Anglistik/Amerikanistik-Studenten -, kann ich auch die üblichen Lokalitäten ansehn. Problem: Kein Reiseführer, keine Karte, lediglich das U-Bahn-Netz an den Wänden in den Stationen. Ich war dann doch etwas überrascht, als mein Gehirn mir signalisierte: “Hey, du kennst da ein paar Namen und Stationen aus Englisch, fünfte Klasse.” Also ab zu King’s Cross, kurz umgesehen, war um 9 Uhr morgens nicht so spannend, außerdem eine halbe Baustelle, und weiter zu St. Paul’s Cathedral gefahren.

Einmal um die Kathedrale rum, kurz reingeschaut, Fotoverbot respektiert, wieder raus gegangen, kurz überlegt, wo ich als nächstes hingehen sollte. Da fällt mir ein Schild ins Auge: “< Millenium Bridge”. Alles klar, hingelaufen, zur Themse wollt ich sowieso. Der erste Anblick war ernüchternd. Das Themseufer ist, jedenfalls an dieser Stelle, potthässlich und karg. Aus Harry Potter hatte ich das schöner in Erinnerung, aber da ist die Brücke auch hopps gegangen. Rechts eine Baustelle, links ein Themse-Müll-Sammelbehälter, am anderen Ufer das Tate Museum of Contemporary Art. Ein paar Fotos geschossen und weiter gelaufen.

Dann fiel mir was auf: Entlang des Geländers hingen mit Edding beschriftete Schlösser an den Drahtseilen, so wie man das von Mauern, Baumstämmen und anderen Unterlagen kennt. Die Daten reichen bis ins Jahr ’99, also zur Eröffnung. Ein besonders interessantes Exemplar war folgendes:

5 Kleine an einem Großen. Inception-Spruch, anyone? Leider hingen an der Millennium Bridge dann doch nicht so viele von den Teilen rum. Ich frage mich, was für eine Auswirkung auf die Statik der Brücke es hätte, wenn jedes einzelne Stahlseil komplett zugehängt wäre. Ob die Stadt sie dann einzeln wegflexen würde?

Naja, der Rest war dann nicht mehr so spannend. Hier gewesen, das angeguckt, bei McDonald’s was gegessen und letztenendes stand ich viel zu früh wieder am Flughafen und hab mir dort die Zeit mit irgendwas schön gemacht. Hatte ja auch zwei volle Ersatzakkus für meinen Laptop dabei.

—–Tag -1: LONDON – MUMBAI, MUMBAI – HONGKONG—–

Der Flug von London nach Mumbai war dann auch nicht so spannend. Irgendwie hat man das ja schon alles durchgemacht, wenn auch einiges kürzer. Andererseits bin ich auch schon nach Amerika geflogen, das kommt von der Dauer ungefähr hin. Dazu kommt, dass ich leider keinen Fensterplatz hatte, sondern am Rand der mittleren Reihe (Airbus A330 mit 3/4/3-Layout). Zu Essen gab es Indisch. Ich habe ja schon früher versucht mich da heran zu tasten, aber vergebens. Indische Küche liegt mir einfach nicht, außer man serviert mir nur Reis und Curry. Zu Trinken gab es Bier. Ich würde behaupten, dass das das schlechteste Bier war, das ich je getrunken habe. Leider ist dem nicht so, denn das trinke jetzt in diesem Augenblick. Vielleicht reiche ich die Tage eine Bier-Review nach. Eine Runde geschlafen, aufgewacht, kaum was von der Landung gesehen. Nur ganz kurz die Slums, die, wie man es damals im Erdkunde-Unterricht gelernt hat, direkt an den Flughafen grenzen (rechts im Bild).

Mumbai war dann gewissermaßen wie der Flug dorthin. Ich war nur im Transit, hatte kein Visum für Indien, durfte dementsprechend auch nicht raus. Ich glaube dort war gerade Regenzeit. Luftfeuchtigkeit war hoch, draußen war es heiß, wie ich später feststellen konnte, der Flughafen war aber klimatisiert. Nur 10°C zu kalt für meinen Geschmack, der ich doch, in weiser Voraussicht, dass Mumbai und Hongkong sehr heiß werden würden, in Shorts und T-Shirt gefolgen bin. Als die 12 oder 13 Stunden Wartezeit rum waren, durfte ich wieder mit dem Bus zum Flugzeug fahren um dann über diese mobilen Treppen in die Maschine zu steigen, genauso wie beim Flug von Frankfurt nach London – ein Prozedere, das ich bisher nur aus Filmen kannte. Und jetzt gleich zwei Mal in zwei Tagen! Das kuriose ist, und man sieht es im Bild rechts, dass die Scheiben des Busses beschlagen waren. Brillenträger kennen das vom Winter: Man ist draußen unterwegs und betritt einen warmen Raum, schon beschlägt die Brille von innen. Die Scheiben des Busses waren von außen beschlagen, weil es draußen einiges wärmer und nasser war, als drinnen.

Die letzte Teilstrecke war dann wieder mehr nach meinem Geschmack. Fensterplatz, keine kleinen Kinder – insgesamt war der Flug ziemlich leer, dafür die Flugbegleiterinnen auch nicht so attraktiv. Diesmal versuchte ich mich am International Dinner, was glücklicherweise Chinesisch war. Damit konnte ich mich schon immer anfreunden. Eine nach 3 Stunden Schlaf und eine Stunde vor Landung wurden alle geweckt und ich durfte die unglaublich gleichmäßige Wolkendecke über China (gut, bis auf die eine Ausnahme im Bild in der Mitte) betrachten. Dann kam so etwas wie der Durchbruch, doch der Anblick war ein kleines Bisschen ernüchternd. Über Hongkong hing, und hängt immer noch, ein halbtransparenter Schleier, bei dem man ein paar hundert Meter klar sehen kann, aber alles Weitere im Grauen verschwimmt.

Das war’s dann auch für heute. In meinem nächsten Beitrag werde ich ein Bisschen näher auf meine ersten paar Tage in Hongkong eingehen. Die Bilder, die ich in diesem Beitrag verwendet hab, und ein paar weitere habe ich übrigens auch auf Picasa hochgeladen. Hier noch schnell die Links zu den Alben, und dann geh ich ins Bett. Hab jetzt mit Bildbearbeitung und allen Ablenkungen (ICQ, Facebook, etc.) satte 3½ Stunden hier dran gesessen. Ich wünschte, ich hätte bei universitären Angelegenheiten (z.B. Hausarbeiten) so eine Ausdauer.

Hongkong 2011: On the Road. London.

Hongkong 2011: On the Road. London – Mumbai, Mumbai – Hongkong.